Wintermarkt und Weihnachtsfeier in Telgte

19.12.2009, 15.09Uhr, -17 °C
Mit gefühlten dreißig Kilo Klamotten, Thermoskannen, Nüssen und Schaffell bewaffnet sitzen wir in der Westfalenbahn nach Münster um von dort mit dem Bus weiter nach Telgte auf den mittelalterlichen Weihnachtsmarkt zu fahren.
Nachdem wir ja schon im Sommer mit Telgte eine kurze Begegnung hatten und die Märkte unser Tribeleben in diesem Jahr bestimmten, haben wir die Weihnachtsfeier kurzerhand auf den Markt verlegt.
Im Zug füllen wir noch den von Conny kunstvoll präparierten Weihnachtsstiefel für die Schelme, die uns dieses Jahr ja mehr als einmal spontan mit Ihnen haben tanzen lassen. In Hagen steigt unser Oberhaupt zu und präsentiert die dazugehörige Weihnachtskarte mit der charmanten Aufschrift: “Frohe Arschnachten, ihr Weinlöcher!”
Auch das Umsteigen klappt reibungslos, wenn auch nicht kommentarlos. “Ist denn schon Fasching?” ist noch das Harmloseste, das wir hören. Nach kurzem Fußmarsch zum Schluss erreichen wir endlich den wunderschön beleuchteten, riesigen Weihnachtsmarkt. Gleich zu Anfang entdecken wir “unsere” Schelme auf der Bühne. Die Guten sind deutlich leichter bekleidet als wir und sehen trotz Scheinwerfern absolut verfroren aus. Dextro reibt sich immer wieder die Finger und auch Desdemonia und Luzi schauen unglücklich beim Dudelsack spielen.
Als Dextro sich nach dem Lied die steifen Finger und die Kälte kommentiert, bekommt er von einem jungen Zuschauer den Tipp: „Zieht euch doch Handschuhe an!“
Nach kurzer Beratung heißt es: „Handschuhe? Wollt ihr mal hören, wie sich das mit Handschuhen anhört?“ Die Menge johlt.
Gesagt, getan, die Handschuhe werden übergestreift und sofort los gelegt – mit klar hörbarer Differenz. Was vorher harmonisch schallte, ist jetzt ein schiefes Quäken.
Nur Desdemonia schafft es, ihrem Dudelsack angemessene Töne zu entlocken. Letztlich bleibt aber nichts anderes übrig, als die Dinger wieder aus zu ziehen und ohne weiter zu spielen.
Das Finale bildet die Versteigerung eines eigens geschmückten Weihnachts-, tja Baum konnte man das eigentlich nicht nennen. Gestrüpp das entfernt an einen Baum erinnert wäre passender – zu wohltätigen Zwecken, als dass der Erlös gespendet werden sollte.
Aufgrund seines wenig ansprechenden Äußeren ist der Baum allerdings so wenig begehrt, dass trotz Dextros Versuchen nur fünf Euro geboten werden und kurzerhand Luzi her halten muss. Er bringt es schließlich auf beachtliche 60 Euro für eine Stunde und wird von seiner „Besitzerin“, einer jungen Holländerin, sofort mit Beschlag belegt und erstmal nicht wieder los gelassen.
Wir überreichen indes das Weihnachtsgeschenk und werden großzügig mit absolut perfektem Wundergebräu versorgt, das allen Anwesenden wieder die Wärme in die Finger treibt – und das ohne Alkohol. Trotz dicker Winterstiefel, mehrerer Paare Socken und Schichten Klamotten frieren wir an diesem Punkt ein wenig. Den Schelmen geht es deutlich schlechter. In ihrem Container hinter der Bühne herrscht ebenfalls klirrende Kälte, da sich offensichtlich niemand zuständig fühlt, die herausspringenden Sicherungen der Anlage wieder instand zu setzen. So bleiben die Heizlüfter aus und die Schelme beinahe tief gefroren. Als sie sich wieder auf die Suche begeben nach jemandem, der ihnen aus dieser misslichen Lage hilft, machen wir uns auf den Markt zu erkunden. Später dürfen wir auch tanzen, auch wenn die Schelme uns bereits jetzt für bekloppt halten, dass wir uns überhaupt halb ausziehen wollen. Nicht mal das Argument der mehreren Schichten Klamotten kann sie von dieser Meinung abbringen.
Der Markt ist schön, groß, es gibt ein Bällebad und viele Fackeln und einige bekannte und neue Stände zu entdecken. Der Schnee rundet das Ambiente kalt, aber stimmungsvoll ab.
Leider gibt es für die Minusgrade deutlich zu wenig Feuerstellen, so dass wir versuchen uns mit Essen und Wärmen an den Fackeln vor dem Festfrieren zu bewahren.
In einem Versuch, das ganze positiv zu sehen, stürzen sich Conny und Nina ins Bällebad und ernten befremdete Blicke von den um sie stehenden, bis sie sich schließlich wieder herausgekämpft haben. Wenigstens ihnen ist jetzt ansatzweise warm.
Wir schaffen es tatsächlich, eine Runde um den Markt zu gehen, doch nachdem wir uns geschlagene zweieinhalb Stunden in der klirrenden Kälte aufgehalten haben, sind wir so steif dass wir uns außer Stande sehen, noch zu tanzen.
Die Schelme haben noch immer keine Heizung und sind mittlerweile sehr mäßig begeistert, um es milde auszudrücken. Sie bekommen von uns großes Mitgefühl und die besten Wünsche auf eine baldige Besserung der Situation, während sie uns vollstes Verständnis für unsere Tanz-Verweigerung entgegen bringen. Dann müssen wir sie verlassen, um den Zug noch zu kriegen.
Die Rückfahrt gestaltet sich mies. An dieser Stelle liebe Grüße an die Westfalenbahn...
Der Zug kommt 5 Minuten zu spät in Telgte an. Wir steigen ein, erleichtert, endlich im Warmen zu sein. Nach weiteren 10 Minuten stehen im Bahnhof kommt die Durchsage, es müsse auf einen entgegen kommenden Zug gewartet werden.
Ende vom Lied ist, dass wir mit 30 Minuten Verspätung los fahren, OHNE dass der andere Zug uns entgegen kommt, wir damit unseren Anschluss nach Osnabrück verpassen und eine dreiviertel Stunde in einem Cafe mit mieser Bedienung am Münsteraner Bahnhof herumhängen.
Für gute Stimmung sorgt dann wieder der Schaffner in der zweiten Bahn mit der Frage, „wer von den Burgfräulein hat denn das Ticket?“








