Mit Schelmish im Zoo Osnabrück

Samstag
Es ist sonnig, warm und der Zoo ist gut besucht. Als einzige, die in voller Montur mit dem Bus kam, habe ich bereits meine Packung Aufmerksamkeit gescheffelt. Wir treffen uns vor dem Zoo samt Bollerwagen und in grundsätzlicher Planlosigkeit. Conny war pünktlich und hat deswegen den Zoo schon einmal in Augenschein genommen.
Am Eingang werden Fotos gemacht und wir lassen uns breit schlagen uns mit „Drama Baby“ für alle Ewigkeit auf Zelluloid zu konservieren.
Weiter geht’s zum Affenfelsen. Hier finden wir das fette, hässliche und asoziale Pack, das sich selbst so ankündigt und sonst auch Schelmish genannt wird. Gütiger Weise dürfen wir unseren Bollerwagen bei ihnen unterstellen. Wir wissen nicht, wann wir genau tanzen oder wozu – Schelmish haben keine Setlist und wir also weiterhin keinen wirklichen Plan. Das erste Beschnuppern erfolgt nett und höflich.
Trotzdem kämpfen wir eine Viertelstunde später bei unserem ersten Auftritt vor der Bühne um Platz. Schelmish sind auch live auf dem Markt ausgezeichnet tanzbar stellen wir voller Genugtuung fest.
Den ersten Einsatz geschafft, besorgen wir uns erstmal Kaffee und erste Eindrücke vom Markt. Abgesehen von dem am Affenfelsen befindlichen kulturellen Zentrum des Marktes mit Bühne, Spanferkel, Ziegenkäse und frisch gebackenem Brot finden sich im Zoo verstreut noch andere lohnende Stände. Ich erwerbe einen Löffel und bekomme ein Brot geschenkt, das erste von vielen an diesem Wochenende.
Als wir den Spanferkel-Mann passieren, wird uns ein Trommelwirbel zuteil und spontan improvisiert erst Sonja erfolgreich ihr Solo, dann tanzen wir alle zusammen. Die Party nimmt kein Ende, obwohl die obligatorische Taverne mit Kirschbier, Met und allerlei geistiger Flüssigkeit schmerzlichst vermisst wird.
Beim Auftritt um vier kündigt uns Dextro sogar an (man höre und staune) und das Platzproblem mäßigt sich. Zum wunderbaren „Orientalis“ gibt es eine Runde Solos, auch wenn ich nicht mehr dazu komme, meins zu Ende zu tanzen. Hinterher werden wir aufgeklärt, warum der dicke Mann mit der grauen Zottelmähne uns erst nur kritisch beäugte. Wir wären ja nicht die ersten die mit Schelmish tanzen wollten und seit einige andere sich mit dreist übersteigertem Selbstbewußtsein in den Vordergrund genörgelt hätten (und darauf von Shelmish stumpf stehen gelassen wurden), sei jede neue Truppe erstmal nur die „Hupfdohlen“, zumindest bis sie sich als anständig erwiesen.
Bei uns löst das große Begeisterung aus und ich überlege einen Moment, uns Buttons zu basteln auf denen steht: „Shelmish approved“, aber die Idee verwerfe ich schnell.
Wir streunen noch durch den Zoo und landen schließlich bei den Giraffen über die wir mehr erfahren als wir jemals für möglich gehalten hätten. Die Tierpflegerin ist ein unterhaltsames Lexikon und lässt sich auch von seltsamen Fragen nicht aus der Ruhe bringen. Jetzt wissen wir jedenfalls, wie Giraffen transportiert werden und wieviel sowas kostet.
Danach müssen die meisten von uns leider den gastlichen Ort verlassen, weil unsere persönliche Tanzgöttin Delanna im Ratsgymnasium Osnabrück auftritt und wir uns das natürlich nicht entgehen lassen können. Wir sind von der Sonne gebrandmarkt und vom Tanzen erledigt, aber deutlich enthusiastisch auf dass der Sonntag komme.
Sonntag
Der Sonntag ist offensichtlich weniger enthusiastisch als wir. Als wir mit dem Auto ankommen, ergattern wir gerade so noch einen Parkplatz. Der Zoo ist voll bis zum Rand, obwohl sich schon die ersten Regenwolken am Himmel abzeichnen. Das immer wiederkehrende: „Gleich regnets!“ wird aus verschiedenen Richtungen von einem „Nix da! Mund halten!“ quittiert. Immer positiv bleiben.
Leider hilft und das auch nix, denn nur eine halbe Stunde nachdem wir angekommen sind, gießt es in Strömen und hört auch erst am Abend wieder damit auf.
Heute ist Jenny der Quotenspargel auch mit dabei: Wir sind vollzählig, das ist eine Premiere!
Der erste Auftritt um zwei wird von uns mit Grauen erwartet, denn vor der Bühne ist es matschig und noch gedrängter als gestern. Sonja wirft ein: „Wir gehen einfach mit auf die Bühne!“
„Auf DIE Bühne? Wo willst du denn da tanzen?“ kommt von mir, aber niemand hört auf mich (wie immer – zum Glück.) Dextro wird belabert und es passiert das Unfassbare: Wir – auf der Bühne – mit Schelmish! *hysterisch kreisch*
Heute fragt Dextro, wie er uns denn ankündigen soll, ob wir da ne Ansage hätten oder sowas und wir machen den Fehler zu sagen: „Sag was du magst.“ Er nimmt es wörtlich...
Bis auf die Tatsache, dass Anika intime Bekanntschaft mit dem Flötenständer macht und wir als „Königsberger Klopse mit Kapernsoße, Reis und Salat“ angekündigt werden (weil Dextro das mag...) läuft also alles elegant. Statt zwei Liedern wie besprochen, dürfen wir vier tanzen und fühlen uns furchtbar fortgeschritten und hysterisch gut gelaunt als wir wieder von der Bühne ziehen. Könnte auch die extrem warme Beleuchtung gewesen sein, die einen vorübergehenden Hitzschlag ausgelöst hat.
Der Regen der gegen drei einsetzt ist allerdings die perfekte Kur für überhitzte Gemüter. Es wird sehr, sehr nass und dementsprechend kalt und ungemütlich. Die späteren Partypläne werden schon angezweifelt. Ich bekomme tapferen regenfesten Besuch von guten Freunden und vor unserem zweiten Auftritt erscheinen auch diverse bessere Hälften zum Filmen des legendären Ereignisses.
Auch der zweite Auftritt dieses Tages läuft gut, auch wenn wir als „Sauerbraten mit Kartoffeln und Gemüse“ enden.
Gegen sechs klart es endlich wieder auf. Die Hälfte hat uns bereits verlassen und nur Nina, Anika und ich halten noch die Stellung. Am Nachmittag haben sich einige Mädels die Karten legen lassen und jetzt wird über die kommenden Kinder gemutmaßt. Wir schauen uns den ganzen Zoo an und nehmen noch einen weiteren wunderbaren Vortrag über die Löwen mit, bevor wir uns zu dritt wieder beim Abschlusskonzert einfinden.
Zunächst läuft auch alles wie es sich gehört: Die Leute rasten aus, Dextro macht schmutzige Witze und alles tanzt. Doch dann erfährt der bemitleidenswerte junge Mann mit Namen Stefan, dass seine sogenannten Freunde ihn an Schelmish verpfiffen haben. Dextro holt das Geburtstagskind auf die Bühne und handelt kurz mit ihm aus, ob er singen oder ein Instrument vergewaltigen will, doch als Stefan beides als unmöglich bezeichnet, fällt sein Blick wie vom Schicksal geleitet auf – UNS.
Nina wird umgehend hochzitiert. Mit dem bekannten: „Brille, Schal!“ schmeißt sie uns beides zu und eilt dem Jüngling entgegen, der mit mittelschwerem Entsetzen in die Menge starrt.
Nina schlägt sich über das (mit Sicherheit deutlich in die Länge gezogene) Lied gut, aber Stefan scheint nach den ersten vier Takten in einen geistlosen Zwischenzustand gewechselt zu sein und wedelt nur noch hilflos mit den Armen in einer halbherzigen Imitation Ninas vorsichtiger Tanz-Vorschläge. Irgendwann scheint er sie gänzlich zu ignorieren und wir verbessern seinen geistigen Zustand wohl nicht maßgeblich durch unsere „YEAH! STEFAAAAAAAAAAN!“ - Rufe.
Als das Lied endet stolpert er gleich nach Nina die Bühne runter und freut sich seiner wiedergewonnenen Anonymität. Wer solche Freunde hat.. ;)
Nach dem Konzert schließt der Zoo und wir kramen uns zusammen um uns auf die Socken zu machen, doch dann werden wir aufgehalten mit einem: „Wie, ihr wollt jetzt gehen? Jetzt gibt’s doch endlich Met und Futter für die Aktiven!“
Wir werden sehr warm und herzlich in den Kreis der Aktiven aufgenommen und werden zu einem weiteren Tanz am Feuer überredet. Nur zu Trommeln improvisieren wir, erst zusammen und die Zoomitarbeiter animierend und dann schmeißen Nina und Anika noch jeweils ein Solo hin. Das Tanzen stellt sich als ganz neue Herausforderung dar nach einem Gläschen Met. *hüstel*
Ich lasse mich dann doch überzeugen mir die Karten zu legen, aber was dabei herauskam bleibt an dieser Stelle mal geheim.
Irgendwann verabschieden sich die Schelme und machen sich auf ihre lange Fahrt zurück ins Ruhrgebiet während wir den Abend noch mit Met und Feuer ausklingen lassen.
Danke an Recke Heinrich für den Kaffee und das leckere Essen, ebenso an die Fladenbäckerei! Danke für das Lob Herr Dr. Klomburg und Danke für diese Gelegenheit! Danke für die wunderbaren Vorträge und die Geduld bei den Giraffen! Danke für den Einsatz deiner Fähigkeiten mit den wunderbaren Karten, danke für die wunderbaren Trommeln am Feuer! Und natürlich tausend Dank an Shelmish dafür, dass wir mit euch so viel Spaß haben durften! :)
www.schelmish.de/








