Säbeltanz-Workshop mit Verazhad

Diesmal war also Säbel-Tanz angesagt.
Delanna hatte den Workshop organisiert, da Verazhad auch als Gast auf der Studioshow auftreten würde. Die Choreographie, die im zweiten Teil des Work-Shops erlernt wurde, sollte als Teil der Show von uns aufgeführt werden.
Ursprünglich wollte ich aus rein finanziellen Gründen nur am Technik-Work-Shop teilnehmen. Schließlich, nach dem ersten Teil, fand ich aber derart Gefallen an der Sache (und auch an der Art der Lehre) daß ich mit Delanna einen zufrieden stellenden Deal klarmachen konnte...

Verazhad erschien wie ein Wirbelwind bei uns. Ihr Auftreten flößte mir gleich einen gewissen Respekt ein, auch wenn ich noch nie etwas von ihr gehört oder gesehen hatte (was nichts heißt; ich kenne mich in der so genannten Tanzszene nun gar nicht aus). Sie ging mit einem starken Willen, Ernst und Emotion daran uns den Säbel und den Tanz dazu beizubringen.

Den Säbel in der Hand zu halten war für mich kein fremdes Gefühl und weckte Erinnerungen an die Zeit in der ich mittelalterlichen Schaukampf mit einem eineinhalb-händigen Schwert ausübte. Die meisten der Mädels im Kurs, an dem nicht nur wir Tribaletten sondern auch die Damen aus anderen orientalischen Kursen teilnahmen, hatten so eine Erfahrung allerdings noch nie gemacht. Das Gefühl so eine Waffe zu tragen und wohlmöglich einzusetzen ist für Frauen heutzutage nicht eben normaler Tagesinhalt könnte man sagen.
Um dieses Gefühl kennen zu lernen gab es als erstes eine kurze Einführung in den Säbeltanz. Vera machte uns deutlich, daß dieser Tanz nicht „nett“ und nicht „fröhlich“ von uns zu tanzen sei, daß er bei aller Erotik vor allem respekt- und ruhig auch furchteinflößend, stolz und kraftvoll sein sollte. Und wie wichtig es ist, diese Dinge im Ausdruck zu vermitteln.
Anschließend gab es einen Überblick über bestimmte Grundpositionen. So manche war schon über das Gewicht des Säbels einigermaßen erschrocken. Der Geruch, den ein Metallgriff an schwitzenden Händen hinterlässt, war wohl auch nur mir bereits bekannt. (Also ich steh drauf...*g*)

Danach folgten eine Reihe Rollenspiele, die wirklich unser Innerstes zu Tage fördern würden. Wenn auch ganz anders, als man es denken könnte.
In den Rollenspielen sollten wir nicht nur kämpfen, wir sollten den Kampf tanzen. In Paaren sollten wir einmal die Rolle des Opfers und einmal die des Täters spielen. Da es nicht genug Säbel für alle gab, nahmen die Opfer einen Stock als Säbelersatz zur Hand, was es ihnen noch einfacher machte sich nicht zu wehren.
Die Rolle zu spielen war dabei genau die Aufgabe. Es ging um Rollenspiel, darum, sich in eine Rolle hineinzufühlen. Nicht so einfach, auch nicht wenn man seit Jahren seine Freizeit mit Live-Rollenspiel verbringt wie ich. Denn im LARP kann man sich die Rolle noch zurechtbauen. Richtiges Schauspielern, also etwas sich selbst fremdes anzunehmen, erwies sich als irre schwer.

Nach dieser ersten Lektion stand eine kurze Pause und Zusammensitzen auf dem Plan: Verazhad wollte nun ganz genau wissen wie sich die jeweilige Rolle für uns angefühlt hatte, welche Rolle uns leichter gefallen sei. Und sofort bekamen ein paar der scheuen Kreaturen, die die Opfer-Rolle als leichter angaben gewaltig eins auf den Deckel: „Man kann nicht immer Opfer sein! Sonst wird man es immer wieder sein!“ Vera hörte sich uns alle an und kommentierte jede Ansicht. Dabei war sie bewundernswert gut darin uns und unsere persönlichen Situationen einzuschätzen, erzählte selbst viel von sich um Beispiele zu geben oder ihre Eindrücke zu erläutern.
Ich muß zugeben, daß ich für Hobbypsychologen nicht viel übrig habe, die einem erzählen welche Probleme man hat und was man wie und wann gefälligst zu tun hat um die zu lösen. Aber genau das tat unsere Dozentin gar nicht. Da waren keine großen Belehrungen und keine Klugscheißerei, da waren persönliche Erfahrungen von einer, die mehr darüber wusste und es uns mitgeben wollte. Und das war erleichternd.

In der nächsten Runde sollte nun beide Seiten beides spielen, so daß sich ein gemeinsamer „Kampf“, ein gemeinsamer Tanz ergeben konnte. In 2 Schlachtreihen standen wir uns gegenüber, die Musik wurde angeworfen und schon tanzten wir säbelschwingend auf unsere Partnerinnen zu, mit der Absicht sie aufzuspießen.
Als Vera endlich Gnade walten ließ, fielen wir erschöpft über das dargebotene Gemüse und Dip her. Vera hatte dazu großartiges libanesisches Backwerk dabei. Danach schließlich ging es zu kriegerischer Filmmusik an die Choreographie.

Um das Fazit aus diesem Tag kurz und deutlich zu machen: Der Workshop hat mir sehr gefallen. Verazhad hat mich beeindruckt; offen, stolz und sehr weiblich hat sie uns nicht nur mit dem Säbel tanzen näher gebracht. Ich persönlich bin sehr froh sie kennen gelernt zu haben und würde jederzeit wieder bei ihr in die Lehre gehen.

Die Choreo, die wir einstudiert haben werden wir auf der Studio-Show im Oktober tanzen. Es wurde beschlossen daß dabei wir Tribaletten gegen die Glitzerfraktion aus dem klassisch-orientalischen Kurs antreten werden (und ich möchte hier betonen, daß ich die Glitzermädels alle mag, auch wenn sie glitzern...). Ich hoffe, wir schlachten dabei Verazhads tolle Choreographie nicht...

www.verahzad.de/

Anic 24.06.2009